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Amnesty Kerze als Favicon

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich bei AI zu engagieren. Hier werden verschiedene Möglichkeiten der Mitarbeit vorgestellt.

Briefe gegen das Vergessen

Regelmäßig an dieser Stelle werden Einzelfälle vorgestellt, die auf besondere Schicksale aufmerksam machen und für die man sich mit einem Brief einsetzen kann. Hier ein Fall aus dem Juni 2024:

Sulaimon Olufemi ist seit 19 Jahren in der Todeszelle

„Staatliches Töten. Thema: Todesstrafe hat weiter Hochkonjunktur“. So lautet die Überschrift über dem Kommentar von Normann Berg zum neuen Report von Amnesty International (MT vom 29. Mai 24). Amnesty weist darauf hin, dass die Zahl der gerichtlichen Hinrichtungen im vergangenen Jahr auf den höchsten Stand seit 2015 gestiegen ist. Eine unrühmliche Rolle spielt dabei Saudi-Arabien, das Land steht an zweiter Stelle. Mit Recht erinnert Berg in seinem Kommentar daran, dass „Deutschland und die deutsche Wirtschaft gänzlich ungeniert … dicke Geschäfte mit diesen totalitären Kopf-ab-Diktaturen“ macht. Auf einen besonders erschreckenden Fall möchte die  Cloppenburger AI-Gruppe in diesem Monat aufmerksam machen.

Der Nigerianer Sulaimon Olufemi wurde 2005 in einem unfairen Verfahren zum Tode verurteilt. Er gehört zu einer Gruppe von Staatsbürgern aus mehreren afrikanischen Staaten, die im September 2002 festgenommen wurden, nachdem ein Polizist in einem Streit zwischen Einheimischen und Arbeitsmigranten ums Leben kam. Sulaimon Olufemi hat stets seine Unschuld beteuert.

Nach seiner Festnahme wurde er gezwungen, seine Fingerabdrücke auf Dokumenten zu hinterlassen, die in Arabisch verfasst waren – einer Sprache, die er nicht versteht. Möglicherweise dienten die Fingerabdrücke als Unterschrift. Die Dokumente wurden im Prozess gegen ihn verwendet. Das Gerichtsverfahren wurde auf Arabisch geführt, ohne dass für Sulaimon Olufemi gedolmetscht wurde oder er eine Übersetzung der Gerichtsunterlagen erhielt. Dem Angeklagten stand zudem kein Rechtsbeistand zur Seite.

Die Cloppenburger AI-Gruppe bittet die Leserinnen und Leser, höflich formulierte Briefe an den saudischen König zu schreib en, in denen sie ihn bitten, Sulaimon Olufemi nach mehr als 20 Jahren Haft zu begnadigen. Außerdem möge er eine unabhängige Untersuchung der Folter- und Misshandlungsvorwürfe einleiten und dafür sorgen, dass Sulaimon Olufemi der regelmäßige Kontakt zu einem Rechtsbeistand seiner Wahl gewährt wird.

Adresse für Briefe in gutem Arabisch, Englisch oder Deutsch:
His Majesty
King Salman Bin Abdul Aziz Al Saud
The Custodian of the two Holy Mosques
Office of His Majesty the King
Royal Court
Riyadh
SAUDI-ARABIEN
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
(Standardbrief Luftpost bis 20 g: 1,10 €)

Eine Kopie des Schreibens an:
Botschaft des Königreichs Saudi-Arabien
S. E. H. R. H. Prinz Abdullah Bin Khaled Bin Sultan Al Saud
Tiergartenstr. 33-34
10785 Berlin
E-Mail: deemb@mofa.gov.sa
(Standardbrief 0,85 €)

 

Ein Musterbrief

Majestät,

dem nigerianischen Staatsbürger Sulaimon Olufemi droht in Ihrem Land die Hinrichtung.

Er gehörte zu Hunderten Staatsangehörigen Somalias, Ghanas und Nigerias, die im September 2002 im Zuge von Massenfestnahmen nach einem Streit, der den Tod eines saudi-arabischen Polizisten zur Folge hatte, inhaftiert wurden. Im Mai 2005 wurde der damals 27-Jährige in einem unfairen und nicht öffentlichen Verfahren zum Tode verurteilt. Er gab an, während der Verhöre gefoltert worden zu sein.

Sulaimon Olufemi sitzt noch immer im Gefängnis von Dhaban und beteuert seine Unschuld. Allerdings sind seine Rechtmittel ausgeschöpft.

Ich bitte Sie deshalb höflich, Sulaimon Olufemi nach 20 Jahren Haft zu begnadigen.

Bitte ordnen Sie außerdem eine unabhängige Untersuchung der Folter- und Misshandlungsvorwürfe ein und veranlassen Sie, dass Sulaimon Olufemi der regelmäßige Kontakt zu einem Rechtsbeistand seiner Wahl gewährt wird.

Hochachtungsvoll

Die Cloppenburger Gruppe wirbt für die Teilnahme am Briefmarathon

Die Menschenrechtserklärung der UNO wird 75 Jahre – (k) ein Grund zum Feiern

Amnesty International startet Briefmarathon

75 Jahre ist es her, da beschloss die Vollversammlung der Vereinten Nationen einstimmig (bei 8 Enthaltungen) die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. „Es war eine Sternstunde der Menschheit, … das Skript für eine neue Weltordnung, in der der Mensch als Rechtssubjekt die Weltbühne betritt; seine Würde, das ist der Gehalt der Menschenrechtserklärung, hängt nicht von der Entscheidung eines Staats ab, sie zu akzeptieren“, schreibt Heribert Prantl. in der SZ.

Heute erleben wir, wie die Missachtung der Menschenrechte in immer mehr Staaten der Welt zunimmt. der jährlich erscheinende Bericht von Amnesty International wird jedes Jahr länger und dokumentiert immer mehr Verstöße gegen die Erklärung. Ukraine und Israel/ Palästina, der Jemen und Aserbeidschan/ Armenien, Russland und die USA stehen beispielhaft dafür. Es ist zum Verzweifeln. Und doch: Die Menschenrechtserklärung bleibt ein Dokument der Hoffnung, das Amnesty International immer wieder als Maßstab für seine Arbeit nimmt.

Ein wichtiges Instrument dieser Arbeit ist der jährlich um den 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte weltweite Briefmarathon von AI. Menschen aus aller Welt setzen sich für ausgewählte Fälle weltweit ein und schreiben Briefe und schicken Solidaritätsschreiben. Der Amnesty Briefmarathon ist die größte Menschenrechtsaktion der Welt. Auch in Cloppenburg, vor allem in den Schulen, haben sich in den letzten Tagen viele an der Aktion beteiligt.

Die von AI ausgewählten Fälle zeigen die ganze Bandbreite an Verletzungen der Menschenrechte auf. Maung Sawyedollah aus Myanmar verklagt den Technologiekonzern META für die Rolle, die Facebook bei den Gräueltaten an den Rohingya gespielt hat. Thapelo Mohapi musste untertauchen, weil er sich für Menschen in informellen Siedlungen in Südafrika einsetzt. Anna Maria Santos Cruz kämpft in Brasilien um Gerechtigkeit für ihren toten Sohn. Onkel Pabai und Onkel Paul verteidigen ihr angestammtes Land im Norden Australiens. Justyna Wydrzyńska wurde verurteilt, weil sie Frauen in Polen zu sicheren Schwangerschaftsabbrüchen berät. Der berühmte Autor und Blogger Ahmed Mansoor verbringt schon mehr als sieben Jahre in Einzelhaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Rita Kasartova kämpft für mehr Bürgerbeteiligung in Kirgisistan. Chaima Issa darf sich nicht öffentlich äußern, weil sie die tunesische Regierung kritisiert hat und Thulani Maseko musste sogar sterben, weil er die Missstände in Eswatini beim Namen genannt hat.

Bestürzend ist die Geschichte von Rocky Myers. Er sitzt seit drei Jahrzehnten in der Todeszelle in Alabama. Die Cloppenburger AI-Gruppe engagiert sich in diesem Jahr besonders für ihn. Rocky Myers ist ein afroamerikanischer Mann mit einer geistigen Behinderung. Er sitzt seit drei Jahrzehnten wegen Mordes in der Todeszelle in Alabama. Eine überwiegend weiße Jury befand Rocky für schuldig, empfahl aber eine lebenslange Haftstrafe. Der Richter überstimmte die Geschworenen und verurteilte Rocky zum Tode – eine Praxis, die inzwischen in Alabama verboten ist.

Eines Nachts im Jahr 1991 änderte sich das Leben von Rocky Myers für immer. Eine ältere weiße Frau wurde in einem überwiegend von Schwarzen bewohnten Viertel ermordet. Rocky wohnte auf der anderen Straßenseite. Obwohl keine eindeutigen Beweise vorlagen, ist er für dieses Verbrechen zum Tode verurteilt worden. Zentrale Zeug*innenaussagen gegen Rocky Myers weisen Ungereimtheiten auf. Es gibt Berichte, die Aussagen seien unter Druck von Polizeibeamt*innen gemacht worden. Ein Hauptzeuge erklärte später, er habe gelogen.

Der Oberste Gerichtshof der USA entschied, dass Angeklagte mit geistigen Behinderungen einem besonderen Risiko einer unrechtmäßigen Hinrichtung ausgesetzt sind Dies trifft zweifellos auf Rocky Myers zu. Von seinem Anwalt im Stich gelassen, verpasste er die Fristen, um Rechtsmittel einzulegen. Seine Hinrichtung könnte jederzeit angesetzt werden, und seine einzige Hoffnung ist, dass die Gouverneurin von Alabama ihn begnadigt.

AI Cloppenburg bittet die Leserinnen und Leser darum, Briefe an die Gouverneurin zu schreiben und sie aufzufordern,  Rocky Myers Todesurteil in eine Haftstrafe umzuwandeln.

ADRESSE :

Governor of Alabama
Office of the Governor of Alabama
600 Dexter Avenue
Montgomery, AL 36130
USA

ANREDE : Sehr geehrte Frau Gouverneurin

Am 2. Dezember informiert AI in der Fußgängerzone über diesen und die anderen Fälle. Hier besteht auch die Möglichkeit, sich am Briefmarathon zu beteiligen.

Ein Musterbrief

Sehr geehrte Frau Gouverneurin,

ich bitte Sie dringend, Rocky Myers zu begnadigen und sein Todesurteil in eine Haftstrafe umzuwandeln.

Zentrale Zeug*innenaussagen gegen ihn weisen Ungereimtheiten auf und es gibt Berichte, sie seien unter Druck von Polizeibeamt*innen gemacht worden. Ein Hauptzeuge erklärte später, er habe gelogen. Eine überwiegend weiße Jury befand Rocky für schuldig, empfahl aber eine lebenslange Haftstrafe. Der Richter überstimmte die Geschworenen und verurteilte Rocky zum Tode – eine Praxis, die inzwischen in Alabama verboten ist.

Rocky Myers hat eine geistige Behinderung. Von seinem Anwalt im Stich gelassen, verpasste er Fristen, um Rechtsmittel einzulegen. Seine Hinrichtung könnte jederzeit angesetzt werden, und seine einzige Hoffnung ist die Begnadigung.

Bitte lassen Sie nicht zu, dass Rocky Myers hingerichtet wird und wandeln Sie sein Urteil in eine Haftstrafe um.

Mit freundlichen Grüßen

Teilnahme an Urgent actions

“Urgent Actions” (Eilaktionen) sind ein effektiver Weg, um akut bedrohte Menschen zu unterstützen. Sie sind die denkbar schnellste Form der Intervention: Wenn Amnesty International von willkürlichen Festnahmen, Morddrohungen, Verschwindenlassen, Folterungen oder bevorstehenden Hinrichtungen erfährt, startet die Organisation eine Urgent Action.

Binnen weniger Stunden tritt ein Netzwerk von fast 80.000 Menschen in 85 Ländern (in Deutschland 10.000) in Aktion: Diese Aktivist_innen appellieren per Fax, E-Mail, Twitternachricht, Facebook-Posting oder Luftpostbrief an die Behörden der Staaten, in denen Menschenrechte verletzt werden. Bei den Adressat_innen gehen Tausende von Appellschreiben aus aller Welt ein. Es ist dieser rasche und massive Protest, der immer wieder Menschenleben schützt.

Bei den Urgent Actions werden die Namen der Absender_innen sowie deren E-Mail-Adressen an die Empfänger_innen der Appellschreiben weitergegeben. Damit können diese den Schreiber_innen antworten. Wenn diese Antwortschreiben dann an Amnesty International weitergeleitet werden, kann die Organisation Rückschlüsse auf die Wirkung der Urgent Action ziehen und so das weitere Vorgehen gezielter planen. Individuelle Appellschreiben, mit denen eine persönliche Betroffenheit ausgedrückt wird, zeichnen Amnesty International aus. Sie werden von der Organisation als wirkungsvoller angesehen als anonymes Handeln.

Unzählige Personen – von China bis Chile, von Syrien bis Simbabwe – konnten seit der ersten Urgent Action im Jahr 1973 gerettet werden.

Beteiligung an der Arbeit in der Gruppe

Die Cloppenburger AI-Gruppe trifft sich regelmäßig alle 14 Tage. Hier werden Aktionen vorbereitet, die Situation der Menschenrechte diskutiert und Möglichkeiten zu handeln besprochen. Die Gruppe freut sich über jedes neue Mitglied. Man kann auch einfach “hereinschnuppern”. Informationen sind über “Kontakt” erhältlich.

 

 

 

 

 

 

3. Juni 2024