Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich bei AI zu engagieren. Hier werden verschiedene Möglichkeiten der Mitarbeit vorgestellt. Die Aktion “Briefe gegen das Vergessen” findet jeden Monat statt. Auf dieser Seite finden Sie einen aktuellen Fall. Im Monat April wollen wir auf einen Fall aus Saudi-Arabien aufmerksam machen.
Keine Deals auf Kosten der Menschenrechte
In letzter Zeit wird Politik nur noch danach beurteilt, was dabei für die eigene Seite herausspringt. Die Cloppenburger Gruppe von Amnesty International ist sehr besorgt, dass diese Art der Politik sich auch auf die Einhaltung von Menschenrechten auswirkt, und bittet die Leserinnen und Leser, sich weiter für einzelne Fälle von Menschenrechtsverletzungen einzusetzen. Im Monat April geht es um einen saudischen Menschenrechtsverteidiger.
Waleed Abu al-Khair sitzt wegen seines friedlichen Engagements seit fast elf Jahren im Gefängnis und wurde dort wiederholt misshandelt. Der Rechtsanwalt gründete 2008 die Menschenrechtsorganisation Monitor of Human Rights in Saudi Arabia (MHRSA) und setzte sich jahrelang für demokratische Reformen in Saudi-Arabien ein. Außerdem vertrat er viele Personen, die von Menschenrechtsverletzungen betroffen waren, wie zum Beispiel den bekannten Menschenrechtsverteidiger und Blogger Raif Badawi.
Am 15. April 2014 nahmen die saudischen Behörden Waleed Abu al-Khair fest, nachdem er sich geweigert hatte, eine Erklärung zu unterzeichnen, in der er sich verpflichten sollte, seine Menschenrechtsarbeit aufzugeben. Anschließend wurde er auf Grundlage des drakonischen Antiterrorgesetzes vor ein Sonderstrafgericht gestellt. Die 2008 eingeführten Sondergerichte sind für Terrorismusfälle zuständig, faktisch werden sie aber genutzt, um friedliche Menschenrechtsverteidiger*innen zu verfolgen. Das Gericht verurteilte Waleed Abu al-Khair am 6. Juli 2014 zu 15 Jahren Gefängnis, einem anschließenden 15-jährigen Reiseverbot und einer Geldstrafe von 200.000 saudi-arabischen Riyal (etwa 50.000 Euro) – allein wegen seines rechtmäßigen und friedlichen Eintretens für die Menschenrechte.
Amnesty Cloppenburg bittet die Leserinnen und Leser, Briefe an den Kronprinzen und Innenminister zu schreiben und ihn zu bitten, Waleed Abu al-Khair unverzüglich und bedingungslos freizulassen, da er ausschließlich wegen der friedlichen Ausübung seiner Rechte auf Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit festgehalten wird. Außerdem möge er dafür sorgen, dass Waleed Abu al-Khair, solange er noch in Haft ist, vor Folter und anderen Misshandlungen geschützt wird und die medizinische Versorgung erhält, die er benötigt.
Adresse für Briefe in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch:
His Royal Highness
Mohammed bin Salman bin Abdul Aziz Al Saud
Ministry of the Interior
King Fahad Rd, al Olaya
Riyadh 12611
PO Box 1261
SAUDI-ARABIEN
(Anrede: Your Royal Highness / Majestät)
(Standardbrief Luftpost bis 20 g: 1,25 €)
Weitere Informationen finden sich hier: https://amnesty-cloppenburg.de/
Ein Musterbrief
Majestät,
Waleed Abu al-Khair ist ein Menschenrechtsverteidiger, der wegen seines friedlichen Engagements seit fast elf Jahren im Gefängnis sitzt und dort wiederholt misshandelt wurde. Der Rechtsanwalt gründete 2008 die Menschenrechtsorganisation Monitor of Human Rights in Saudi Arabia (MHRSA) und setzte sich jahrelang für demokratische Reformen in Saudi-Arabien ein.
Ich bitte Sie hiermit, Waleed Abu al-Khair unverzüglich und bedingungslos freizulassen, da er ausschließlich wegen der friedlichen Ausübung seiner Rechte auf Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit festgehalten wird. Ich bitte Sie außerdem, dafür zu sorgen, dass Waleed Abu al-Khair, solange er noch in Haft ist, vor Folter und anderen Misshandlungen geschützt wird und die medizinische Versorgung erhält, die er benötigt.
Mit freundlichen Grüßen
Briefmarathon 2024
Die größte Menschenrechtsaktion der Welt auch in Cloppenburg
Der Amnesty Briefmarathon ist die größte Menschenrechtsaktion der Welt. Jedes Jahr im November und Dezember beweisen gewöhnliche Menschen, dass sie Außergewöhnliches bewirken können, wenn sie gemeinsam Briefe an Regierungen und Behörden schreiben: Zu Unrecht Inhaftierte werden freigelassen, Todesurteile aufgehoben, Folter beendet und diskriminierende Gesetze geändert.
Beim gemeinsamen Schreiben zeigt sich die Kraft der Amnesty-Bewegung: An wenigen Tagen konzentrieren sich Menschen überall auf der Welt auf das Schicksal Einzelner. Sie schreiben Briefe und verschicken E-Mails und setzen damit Regierungen unter Druck, Unrecht zu beenden. Einen einzelnen Brief können Behörden ungelesen wegwerfen – doch zigtausende Briefe und E-Mails können sie nicht ignorieren. Darüber hinaus signalisieren die Briefe den Betroffenen und ihren Familien, dass sie in ihrem Kampf für Gerechtigkeit nicht allein sind. In den letzten Wochen haben mehrere Cloppenburger Schulen sich an dieser Aktion beteiligt.
Die Cloppenburger Amnesty-Gruppe weist besonders auf den Fall der 30-jährigen Fitnesstrainerin Manahel al-Otaibihin hin. Sie ist in Saudi-Arabien zu elf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Ihr „Vergehen“: Sie hat sich mutig für Frauenrechte eingesetzt.
In den vergangenen Jahren gab Saudi-Arabien vor, Frauenrechte zu fördern. Manahel al-Otaibi glaubte an diese Versprechen und engagierte sich aktiv. Sie nutzte soziale Medien, um für Frauenrechte zu tweeten und postete Fotos auf Snapchat, auf denen sie nicht die traditionelle Abaya trug – ein langärmeliges Gewand, das in Saudi-Arabien für Frauen üblich ist.
Im November 2022 nahmen die saudischen Behörden Manahel fest. Ein Gericht klagte sie wegen des Verstoßes gegen das Gesetz zur Bekämpfung von Cyberkriminalität an. Dieser Schritt zeigt, wie die Behörden digitale Plattformen überwachen und Aktivist*innen für ihre Online-Aktivitäten verfolgen.
Im November 2023 teilte Manahel ihrer Familie mit, dass sie von einer Mitgefangenen geschlagen worden sei. Als Reaktion darauf ist sie komplett isoliert worden und durfte mit niemandem mehr kommunizieren. Diese Behandlung verstößt gegen internationale Standards für Gefangenenrechte.
Manahels Fall ist an das berüchtigte Sonderstrafgericht des Landes verwiesen worden. Es ist bekannt für unfaire Verfahren und harte Strafen. Im Januar 2024 verurteilte dieses Gericht Manahel in einer geheimen Anhörung zu elf Jahren Haft wegen “terroristischer Straftaten”. Das Urteil ist erst Wochen später bekannt gegeben worden.
Im April 2024 konnte Manahel erstmals seit Monaten ihre Familie anrufen. Sie berichtete verzweifelt von ihrer Einzelhaft und erneuten brutalen Schlägen, die zu einem gebrochenen Bein geführt hätten. Trotz ihrer Verletzungen erhält sie keine medizinische Behandlung. Dies stellt eine schwere Verletzung ihrer Menschenrechte dar.
AI- Cloppenburg bittet die Leserinnen und Leser, sich für Manahel al-Otaibihin einzusetzen. Amnesty International fordert die sofortige Freilassung von Manahel al-Otaibi und so die Solidarität mit der mutigen Frauenrechtsaktivistin zu zeigen.! Deine Stimme kann dazu beitragen, Druck auf die saudischen Behörden auszuüben und Manahel die dringend benötigte Unterstützung zu geben. Eine Möglichkeit ist, Briefe an den saudischen Justizminister zu schreiben. Seine Adresse:
Waleed Mohammed Al Smani
Minister of Justice
Postal Code 11472, P.O. Box 7775
Riad
SAUDI-ARABIEN
Ein Musterbrief
Sehr geehrter Herr Justizminister,
ich schreibe Ihnen wegen des Falls von Manahel al-Otaibi. Im November 2022 ist Manahel al-Otaibi festgenommen worden, weil sie sich im Internet für Frauenrechte eingesetzt und auf Snapchat Fotos von sich in einem Einkaufszentrum gepostet hat, ohne die traditionelle Abaya zu tragen. Frau al-Otaibi ist zu elf Jahren Gefängnis verurteilt worden.
In den letzten Jahren haben die saudischen Behörden versprochen, die Frauenrechte im Königreich voranzubringen. Manahel al-Otaibi hat diesen Versprechungen geglaubt und fühlte sich freier, ihre Meinung zu äußern und die Kleidung zu tragen, die sie wollte.
Ich fordere Sie auf, Manahel al-Otaibi sofort und bedingungslos freizulassen und alle Anklagen gegen sie fallenzulassen.
Mit freundlichen Grüßen
Teilnahme an Urgent actions
“Urgent Actions” (Eilaktionen) sind ein effektiver Weg, um akut bedrohte Menschen zu unterstützen. Sie sind die denkbar schnellste Form der Intervention: Wenn Amnesty International von willkürlichen Festnahmen, Morddrohungen, Verschwindenlassen, Folterungen oder bevorstehenden Hinrichtungen erfährt, startet die Organisation eine Urgent Action.
Binnen weniger Stunden tritt ein Netzwerk von fast 80.000 Menschen in 85 Ländern (in Deutschland 10.000) in Aktion: Diese Aktivist_innen appellieren per Fax, E-Mail, Twitternachricht, Facebook-Posting oder Luftpostbrief an die Behörden der Staaten, in denen Menschenrechte verletzt werden. Bei den Adressat_innen gehen Tausende von Appellschreiben aus aller Welt ein. Es ist dieser rasche und massive Protest, der immer wieder Menschenleben schützt.
Bei den Urgent Actions werden die Namen der Absender_innen sowie deren E-Mail-Adressen an die Empfänger_innen der Appellschreiben weitergegeben. Damit können diese den Schreiber_innen antworten. Wenn diese Antwortschreiben dann an Amnesty International weitergeleitet werden, kann die Organisation Rückschlüsse auf die Wirkung der Urgent Action ziehen und so das weitere Vorgehen gezielter planen. Individuelle Appellschreiben, mit denen eine persönliche Betroffenheit ausgedrückt wird, zeichnen Amnesty International aus. Sie werden von der Organisation als wirkungsvoller angesehen als anonymes Handeln.
Unzählige Personen – von China bis Chile, von Syrien bis Simbabwe – konnten seit der ersten Urgent Action im Jahr 1973 gerettet werden.
Beteiligung an der Arbeit in der Gruppe
Die Cloppenburger AI-Gruppe trifft sich regelmäßig alle 14 Tage. Hier werden Aktionen vorbereitet, die Situation der Menschenrechte diskutiert und Möglichkeiten zu handeln besprochen. Die Gruppe freut sich über jedes neue Mitglied. Man kann auch einfach “hereinschnuppern”. Informationen sind über “Kontakt” erhältlich.
